Frauengesundheit im Wandel: Verhütung und Wechseljahre

Kondome sind in Deutschland beliebter als die Pille, während der Umgang mit hormonkritischen Patientinnen Sensibilität erfordert. Wechseljahresbeschwerden und die Diskussion um HRT sind wichtige Themen.

Kontrazeption und Wechseljahre: Trends und Herausforderungen

Die am häufigsten genutzte Verhütungsmethode in Deutschland ist nicht die Pille – sondern das Kondom. Junge Menschen in Deutschland äußern sich mehrheitlich kritisch zur Pille, befürchten negative Auswirkungen auf Körper und Seele, erklärte Prof. Dr. Patricia Oppelt vom Universitätsklinikum Erlangen.

In der CoCo-Studie, die 2021 veröffentlicht wurde, verhüteten noch 40% der 16- bis 20-jährigen Frauen eine Kombinationspille, 20% mit Kondom. CoCo wurde 2022 und 2023/24 als Instragram-Umfrage (n=9.451 Teilnehmerinnen) fortgesetzt. Die Ergebnisse von CoCo goes Social Media 2.0 zeigen: nur noch 10,5% verhüten mit der Pille, 38% ausschließlich mit Kondom, 35% mit der Hormonspirale.

Dabei zeigten sich nur 33,6% zufrieden mit dem Kondom. 21,4% der Befragten sahen eine zu geringe Sicherheit als Nachteil. 36,1% gaben eine eingeschränkte Spontanität als Grund für die Unzufriedenheit bei der Nutzung von Kondomen an. CoCo 2023/24 zeigt auch: 39,4% der Befragten informieren sich in der gynäkologischen Praxis zu Möglichkeiten der Verhütung, 47% im Internet/bei Google, 4,9% auf Social Media und 8,7% bei Freunden oder in der Familie. „Nicht wenige Frauen informieren sich bei Influencern über Verhütung“, so Oppelt.

Zusatznutzen der Pille

Oppelt betonte, dass die jungen Frauen mit ihren Bedenken und Sorgen ernst genommen werden müssten. Eine gute Aufklärung in der gynäkologischen Praxis könnte so aussehen: Die MfA erheben anhand der BfArM-Checkliste zu hormonellen Kontrazeptiva den Status der Patientin. Mit der Checkliste kann rasch geprüft werden, ob Kontraindikationen vorliegen. Liegen keine Kontraindikationen vor, könnten speziell Patientinnen mit Dysmenorrhoe, Zyklusunregelmäßigkeiten, unreiner Haut, Akne und Seborrhoe, hormoneller Dysbalance und rezidivierenden Ovarialzysten von der Pille einen Zusatznutzen haben, so Oppelt.

Wichtige Fragen beim Beratungsgespräch:

Oppelt empfiehlt grundsätzlich nachzufragen, aktiv zuzuhören, empathisch und positiv zu bleiben und das Gehörte zusammenzufassen. Exemplarisch stellte sie den Fall von Marie (24 Jahre alt) vor, die zur Verhütungsberatung in die Praxis kam. Sie berichtete über eine starke bis sehr starke Regelblutung (4 bis 5 Tage) und Schmerzen bei der Blutung. Bei ihrer Großmutter wurde mit 62 Jahren Brustkrebs festgestellt, der Großvater leidet an Prostatakrebs, die andere Großmutter an Alzheimer. Bei einer Größe von 167 cm wiegt Marie 65 kg (BMI 23), kein Nikotinabusus, keine Varizen. Sie ist gegen Röteln geimpft, die HPV-Impfung ist abgeschlossen. Die Patientin wünscht eine Beratung zu nicht-hormonellen Verhütungsmethoden.

Aus Sorge vor Stimmungsschwankungen und negativem Einfluss auf die Libido ist Marie skeptisch gegenüber hormoneller Verhütung. Marie wird ausführlich über mögliche Stimmungsschwankungen unter hormoneller Verhütung beraten, ein Libidoverlust ist nach Studien nicht belegt (siehe hierzu S3-Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung). Da Hypermenorrhoe und Dysmenorrhoe vorliegen, ist eine hormonelle Verhütung – neben der hohen Verhütungssicherheit – eher von Vorteil.

Oppelt schlägt die Beratung zu einem Kombinationspräparat mit natürlichem Östrogen und POP vor. Die Kontrolle nach drei Monaten zeigt, dass sich Marie sehr gut fühlt. Die Blutungen sind teilweise unregelmäßig, manchmal auch Schmerzen, doch die Intensität hat sich gebessert. Marie ist froh, dass sie angefangen hat, die Pille einzunehmen.

Wechseljahresbeschwerden: 30% waren deshalb schon mal krankgeschrieben

Zwei Drittel der Frauen haben in den Wechseljahren Beschwerden, so Dr. Katrin Schaudig, Hormonspezialistin aus Hamburg und Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft (DMG). Ein Drittel leidet unter leichten, ein weiteres Drittel unter mittleren bis starken Beschwerden.

Im Rahmen des Forschungsprojektes MenoSupport gaben 29,4% der befragten Frauen an, dass sie aufgrund von Wechseljahresbeschwerden schon einmal krankgeschrieben waren oder bezahlten Urlaub genommen haben. Die Umfrage zeigt aber auch: Nur ein Drittel der befragten Frauen verwendet eine Hormonersatztherapie (HRT). Eine HRT verspricht das folgende Wirkungsspektrum:

Sie ist jedoch auch mit potenziellen Risiken verbunden, die gegen die positiven Effekte abgewogen werden sollten:

Mögliche Zusatznutzen einer HRT sind der Erhalt der Knochendichte und die damit verbundene Prävention einer Osteoporose sowie die Senkung des Risikos für koronare Herzerkrankungen, Dickdarmkrebs, Diabetes und Alzheimer.

Wechseljahresbeschwerden: Viel mehr als nur Hitzewallungen

Schaudig betont, dass Hitzewallungen zwar als Leitsymptom gelten. Jedoch zählen deutlich mehr Beschwerden und Symptome zu den Wechseljahresbeschwerden. Zu ihnen gehören Blutungsstörungen, Gelenkschmerzen, verringerte Libido, Dyspareunie, Schwindel, Brainfog, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, depressive Stimmung, Stimmungsschwankungen, Dünnhäutigkeit, reduzierte Leistungsfähigkeit, Haut- und Haarprobleme.

Nicht selten verunsicherten Informationen aus verschiedenen Kanälen die Patientinnen mit widersprüchlichen Botschaften: „Wechseljahre sind ein natürlicher Prozess, stell dich nicht so an“, „Besser keine HRT wegen der gefährlichen Nebenwirkungen“, „Hormone für alle, auch lebenslang“ oder „bioidentische Hormone haben keine Risiken.“

Übermedikalisierung in der Menopause?

Im Lancet hatten Martha Hickey von der University of Melbourne und Kolleginnen letztes Jahr vor einer Übermedikalisierung in der Menopause gewarnt. Ihr Fazit: Zwar erleben einige Frauen die Wechseljahre extrem negativ und profitieren von einer Hormontherapie. Die Realität sei jedoch viel komplexer und schließe auch neutrale Erfahrungen und positive Aspekte mit ein.

Von einer Übermedikalisierung könne hierzulande nicht die Rede sein, so Schaudig und verweist auf den Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse 2022. Demnach erhalten nur 6 bis 7% der Frauen in den Wechseljahren Hormone. Aktuell zeige sich allenfalls eine leicht steigende Tendenz, so Schaudig. Vor dem Hintergrund, dass rund ein Drittel der Frauen einen erheblichen Leidensdruck durch Wechseljahresbeschwerden haben, sei da noch viel Luft nach oben.

Quellen:
  1. FOKO Fortbildungskongress 2025 BVF Akademie, Düsseldorf, CCD Stadthalle, 13. – 15. März 2025: Frauengesundheit im Wandel: Verhütung und Wechseljahre; unterstützt von: Jenapharm GmbH & Co. KG
  2. CoCo-Studie (2021). Combination Contraceptives and Risk of Venous Thromboembolism. Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33871288/ [Zugriff am 19. März 2025].
  3. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) (o.J.). Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva – Risikoinformationen. Verfügbar unter: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Risikoinformationen/EducationMaterial/Anlagen/g-l/kombinierte-hormonelle-kontrazeptiva-aerzte.pdf [Zugriff am 19. März 2025].
  4. AWMF (2023). S3-Leitlinie Hormonelle Empfängnisverhütung. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-015 [Zugriff am 19. März 2025].
  5. HWR Berlin (2024). MenoSupport: Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt zur Unterstützung von Frauen in den Wechseljahren. Verfügbar unter: https://blog.hwr-berlin.de/menosupport/ergebnisse/ [Zugriff am 19. März 2025].
  6. The Lancet (2023). Hormone Therapy and Cancer Risk: New Insights and Warnings. Verfügbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S014067362302799X [Zugriff am 19. März 2025].
  7. Techniker Krankenkasse (2022). Gesundheitsreport 2022: Arbeitsunfähigkeit und Gesundheitsstatus. Verfügbar unter: https://www.tk.de/resource/blob/2125010/da11bbb6e19aa012fde9723c8008e394/gesundheitsreport-au-2022-data.pdf [Zugriff am 19. März 2025].