Aspirin als mögliche Therapie zur Prävention von Darmkrebsrezidiven: Eine vielversprechende Option?
Eine erste große Phase-III-Studie untersuchte, ob Aspirin nach einem kolorektalen Karzinom und abgeschlossener Standardtherapie das Rezidivrisiko senken kann – mit unerwartetem Ergebnis.
"ASCOLT" stellt Aspirin in der Sekundärprävention infrage
Bislang gab es noch keine internationale randomisierte Untersuchung zur Wirksamkeit von Aspirin nach adjuvanter Standardbehandlung von Darmkrebs. Dies änderte sich mit der im März 2025 publizierten "ASCOLT"-Studie.1,2 Diese wurde an 66 Zentren in 11 Ländern der asiatisch-pazifischen Region durchgeführt, in denen die Häufigkeit von Darmkrebs zunimmt (Australien, China, Indien, Indonesien, Malaysia, Neuseeland, Saudi-Arabien, Singapur, Sri Lanka, Südkorea und Taiwan).
Es wurden 1.587 Patienten mit Hochrisiko-Kolon- oder Rektumkarzinom (Durchschnittsalter 57 Jahre; 58 % männlich) eingeschlossen, die nach einer adjuvanten Standard-Chemotherapie entweder 200 mg Aspirin täglich oder ein Placebo für drei Jahre erhielten und über fünf Jahre nachbeobachtet wurden.
Das krankheitsfreie Überleben (DFS) nach 5 Jahren wurde durch Aspirin nicht signifikant verbessert: Es betrug 77 % gegenüber 74,8 % in der Placebogruppe (p = 0,38).
In beiden Gruppen traten vergleichbar viele Sicherheitsereignisse auf, wobei in der Aspirin-Gruppe weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle, dafür aber etwas häufiger gastrointestinale Blutungen berichtet wurden.
Studienautoren äußern Enttäuschung über ausbleibenden Nutzen
Seit der Einführung von Oxaliplatin in die adjuvante Darmkrebstherapie vor zwei Jahrzehnten gab es keine neuen wirksamen adjuvanten Therapien. Aus diesem Grund besteht weiterhin ein Bedarf an wirksamen und tragbaren Behandlungsoptionen, um die Heilungsraten zu steigern.
Der genaue Mechanismus eines möglichen antineoplastischen Effekts von Aspirin ist noch unklar. Es wird jedoch vermutet, dass er mit der Hemmung der Cyclooxygenase-2 (COX-2) in höherer Dosierung zusammenhängt. COX-2 wird mit tumorfördernder Inflammation in Verbindung gebracht, während es in niedriger Dosierung als irreversibler COX-1-Inhibitor wirkt.
Fazit für die Praxis
Die Studie konnte keinen relevanten Nutzen von Aspirin zur Rezidivprävention bei Darmkrebspatienten nachweisen. „Eine wesentliche Schlussfolgerung aus unserer Studie lautet, dass Aspirin nicht in einer unselektierten Darmkrebs-Population eingesetzt werden sollte, um das Risiko eines Rezidivs nach Standardbehandlung zu senken“, resümiert Leitautor Prof. Toh Han Chong, vom National Cancer Centre Singapur.3
Zum Stichwort „unselektiert“: Die fast gleichzeitig publizierte, kleinere ALASCCA-Studie ergab, dass Biomarker für weitere Arbeiten zu dem Thema eine Rolle spielen könnten. Die Studie zeigt, dass eine bis zu dreijährige Einnahme von Aspirin das Risiko eines Wiederauftretens von Darmkrebs signifikant senken kann. Besonders bei 314 Patienten mit PIK3CA-Mutation war das Risiko im Vergleich zu Placebo um beeindruckende 50 % reduziert, während 312 Patienten mit anderen Mutationen im Signalweg untersucht wurden.
- Thornber, K. Aspirin Does Not Significantly Improve Disease-Free Survival in Patients with Colorectal Cancer. European Medical Journal https://www.emjreviews.com/oncology/news/aspirin-does-not-significantly-improve-disease-free-survival-in-patients-with-colorectal-cancer/ (2025).
- Chia, J. W. K. et al. Aspirin after completion of standard adjuvant therapy for colorectal cancer (ASCOLT): an international, multicentre, phase 3, randomised, double-blind, placebo-controlled trial. The Lancet Gastroenterology & Hepatology 10, 198–209 (2025).
- Aspirin after adjuvant therapy does not improve colorectal cancer outcomes. https://www.healio.com/news/hematology-oncology/20250304/aspirin-after-adjuvant-therapy-does-not-improve-colorectal-cancer-outcomes.