Dermatologische Medikamente in der Schwangerschaft: Was ist sicher und was nicht?

Erfahren Sie in Teil 1 unserer zweiteiligen Serie über Dermatologika in Schwangerschaft und Stillzeit, welche Präparate zur Behandlung dermatologischer Erkrankungen bei schwangeren Frauen geeignet sind – und welche vermieden werden sollten.

Wichtige Erkenntnisse zu Dermatologika in der Schwangerschaft:

Die Abhandlung von McMullan et al. liefert eine detaillierte Bewertung einzelner Substanzen und hilfreiche Hinweise zu Therapieschemata bei spezifischen dermatologischen Erkrankungen wie Psoriasis oder Alopezie.

Biologika: Abwägung von Pro und Kontra

Biologika sind überwiegend plazentagängig und können sich somit auf den Fetus auswirken. Eine Ausnahme bildet Certolizumab, das nur in geringem Maße in den fetalen Kreislauf gelangt. Deshalb gilt es als Biologikum der Wahl, wenn ein solcher Wirkstoff bei Schwangeren mit Psoriasis eingesetzt werden soll.

Für plazentagängige Biologika hingegen muss eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Dies gilt insbesondere bei Anwendung im zweiten und dritten Trimester, da hier der Übertritt in den fetalen Kreislauf besonders ausgeprägt ist. Wenn der Einsatz von Biologika in der Schwangerschaft unvermeidlich ist, sollten bestimmte Impfempfehlungen für Neugeborene beachtet werden. Wurden Neugeborene während der Schwangerschaft Biologika ausgesetzt, wird von Lebendimpfungen in den ersten 6 bis 12 Lebensmonaten abgeraten. Eine Lebendimpfung in diesem Zeitraum birgt das Risiko schwerwiegender Komplikationen für das Kind.

Praxisrelevante Informationen zu weiteren Arzneimitteln

Die Autoren geben nützliche Hinweise zu diversen Medikamenten und Wirkstoffklassen, die in der dermatologischen Therapie während der Schwangerschaft eingesetzt werden können. Hier ein Überblick:

Weitere Hinweise befassen sich mit den Themen Antimykotika, Antibiotika und Virustatika.

Therapie von Psoriasis und Co. während der Schwangerschaft

Weitere Tipps betreffen spezifische Krankheitsbilder. So ist etwa bei der Behandlung von Psoriasis und Ekzemen während der Schwangerschaft besondere Vorsicht geboten, da sich einige entzündungshemmende Arzneimittel negativ auf das ungeborene Kind auswirken können.

Als sichere Optionen gelten:

Folgende Substanzen mit unzureichenden Sicherheitsdaten sind zu vermeiden:

Kontraindizierte Wirkstoffe:

Arzneimittel gegen Akne und Rosazea

Auch während der Schwangerschaft können bestimmte topische Medikamente zur Behandlung von Akne und Rosazea ohne Sicherheitsbedenken eingesetzt werden. Dazu zählen Benzoylperoxid, Azelainsäure, Glykolsäure, Clindamycin, Mupirocin, Erythromycin und Metronidazol. Vorsicht ist jedoch bei bestimmten anderen Substanzen geboten. Topische Retinoide, Isotretinoin, Ivermectin, Spironolacton und Clascoteron sind potenziell schädlich für den Fötus und somit zu vermeiden.

Alopezie, Skabies und Läuse während der Schwangerschaft

Bei der Behandlung von Alopezie stehen üblicherweise Wirkstoffe wie Minoxidil und die Kontaktimmuntherapie im Vordergrund. Während der Schwangerschaft sind diese jedoch kontraindiziert. Auch bei der Behandlung von Skabies ist Vorsicht geboten: Substanzen wie Ivermectin und Lindan sollten nicht angewendet werden. Stattdessen ist topisches Permethrin die Therapie der Wahl.

Bei Kopflausbefall wird eine Behandlung mit Feuchtigkeitscremes empfohlen, die die Läuse mechanisch ersticken. Als 2. Wahl gelten Benzylalkohol oder Pyrethrum. 

Fazit: nützlicher Praxisleitfaden für Therapiesicherheit in der Schwangerschaft

Die Empfehlungen der Autoren ermöglichen eine gezielte und sichere Therapie bei Hauterkrankungen während der Schwangerschaft und minimieren gleichzeitig potenzielle Risiken für das ungeborene Kind.

Erfahren Sie im zweiten Teil, welche Besonderheiten bei der dermatologischen Pharmakotherapie in der Stillzeit zu beachten sind.