Die Übersichtsarbeit von Yaghi et al. bietet eine umfassende Bewertung zahlreicher dermatologischer Wirkstoffe und liefert Empfehlungen für eine sichere Anwendung in der Stillzeit. Wichtige Themen wie die Pharmakotherapie der Psoriasis, der Einsatz von Biologika und Immunsuppressiva werden im Folgenden exemplarisch vorgestellt.
Für die antiinflammatorische Therapie von Psoriasis und Ekzemen steht eine Vielzahl von Arzneimitteln zur Verfügung. Allerdings sind nicht alle für stillende Mütter uneingeschränkt geeignet. Aus Sicherheitsgründen oder aufgrund unzureichender Datenlage raten die Experten dringend davon ab, die folgenden Wirkstoffe zu verwenden:
Diese Substanzen sollten allerdings nicht in der Nähe der Brustwarzen (periareolär) aufgetragen werden, um eine orale Aufnahme durch den Säugling zu vermeiden.
Auch Ciclosporin kann in Ausnahmefällen während der Stillzeit angewendet werden. Es handelt sich jedoch um einen potenziell immunsuppressiven und kanzerogenen Wirkstoff. Da Ciclosporin in nicht unerheblichen Mengen in die Muttermilch übergeht, sollte seine Anwendung in der Stillzeit nur unter strenger Indikationsstellung und engmaschiger Kontrolle des Säuglings erfolgen.
Auch die Behandlung von Akne und Rosazea wird in der Übersichtsarbeit thematisiert. Die Therapie mit oralen Vitamin-A-Derivaten wie Isotretinoin sollte in der Stillzeit vermieden werden, da ein Risiko für eine Retinoid-Toxizität beim Säugling besteht.
Sichere Behandlungsoptionen hingegen sind:
Weitere Erkrankungen, die in der Übersichtsstudie näher behandelt werden, sind Alopezie sowie parasitäre Erkrankungen während der Stillzeit.
Neben der Betrachtung einzelner Krankheitsbilder widmen sich die Autoren auch spezifischen Wirkstoffen, darunter auch den Biologika und Immunsuppressiva.
Zu den Biologika gehören etwa TNF-alpha- und Interleukin-Inhibitoren. Diese Substanzen gelangen aufgrund ihrer großen Proteinmoleküle nur in sehr geringen Mengen in den kindlichen Blutkreislauf. Sie gelten daher während der Stillzeit als weitgehend unbedenklich. Bei den Interleukin-Inhibitoren Dupilumab und Tralokinumab wird jedoch eine Stillpause von zwei Wochen nach der Geburt empfohlen. Der Grund dafür liegt darin, dass der Magen-Darm-Trakt bei Neugeborenen noch nicht vollständig entwickelt ist, was in dieser frühen Phase zu einem erhöhten Risiko der Aufnahme und Wirkung von Substanzen führen kann.
Systemische Steroide wie Prednison oder Prednisolon können während der Stillzeit angewendet werden. Um eine erhöhte Exposition des Säuglings zu vermeiden, sollte vier Stunden nach der Einnahme nicht gestillt werden. Mycophenolatmofetil hingegen ist strikt zu vermeiden. Hydroxychloroquin, Dapson, Azathioprin und Rituximab können während der Stillzeit verabreicht werden, das Kind muss dann jedoch hinsichtlich des Risikos von Hämolyse, Ikterus und Zytopenie engmaschig überwacht werden. Wie bei den Kortikosteroiden sollte das Stillen nach der Einnahme von Azathioprin für eine Zeitspanne von 4 Stunden pausiert werden.
Neben den vorgestellten Themen enthält die Abhandlung Informationen zu zahlreichen weiteren dermatologischen Krankheitsbildern und Arzneimitteln. Damit bietet sie eine umfassende Orientierungshilfe für eine weitgehend sichere Pharmakotherapie in der Stillzeit und unterstützt eine fundierte Entscheidungsfindung in der dermatologischen Praxis.
Erfahren Sie im ersten Teil, was bei der dermatologischen Pharmakotherapie während der Schwangerschaft zu beachten ist.